Siemens Geschäftsjahr 2025: Rekord beim Free Cashflow — was das für Anleger bedeutet
Siemens liefert im Geschäftsjahr 2025 Rekordergebnisse: Free Cashflow von 10,8 Mrd. Euro, Dividende auf 5,35 Euro erhöht. Was das konkret für Anleger bedeutet.
Siemens Geschäftsjahr 2025: Drei Rekorde — und ein Problem
📅 Stand: 14. November 2025 · Siemens-Kurs am Erscheinungstag: 230,35 € (Xetra-Schluss)
Am 13. November 2025 veröffentlichte Siemens die Jahresergebnisse. Die gute Nachricht zuerst: Siemens hat in drei Bereichen gleichzeitig Rekorde gebrochen. Die schlechte Nachricht: Ein wichtiges Segment schwächelt — und das drückt auf den Kurs.
Die drei Rekorde im Überblick
Rekord 1 — Gewinn: Der Gewinn nach Steuern stieg um 16 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Das ist das dritte Jahr in Folge mit einem neuen Höchstwert.
Rekord 2 — Free Cashflow: Der Free Cashflow kletterte auf 10,8 Milliarden Euro — ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Free Cashflow zeigt, wie viel Geld Siemens wirklich verdient, nachdem alle Investitionen bezahlt sind. 10,8 Milliarden Euro — das entspricht dem gesamten Jahresumsatz von einem mittelgroßen DAX-Konzern.
Rekord 3 — Dividende: Siemens erhöht die Dividende auf 5,35 Euro je Aktie. Das ist die siebte Erhöhung in Folge. Zum Vergleich: Vor sieben Jahren zahlte Siemens noch 3,50 Euro.
Quelle: Siemens Pressemitteilung Q4 2025
Das Problem: Digital Industries kämpft
Das Segment Digital Industries — Siemens' Automatisierungsgeschäft — hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Der Umsatz fiel um 4 Prozent, die Ergebnismarge sank von 18,9 auf 14,9 Prozent.
Warum? Kunden hatten in den Jahren 2021 bis 2023 zu viel Automatisierungsausrüstung auf Vorrat bestellt. Jetzt bauen sie diese Lager ab, bevor sie wieder neu bestellen. Das nennt man Lagerabbauzyklus.
Das Entscheidende: Das ist kein strukturelles Problem. Die Fabriken laufen. Die Nachfrage nach Automatisierung ist ungebrochen. Es wird nur vorübergehend weniger neu bestellt.
Das Zeichen der Erholung ist bereits sichtbar: Der Auftragseingang stieg um 8 Prozent. Neue Aufträge heute bedeuten Umsatz in 6 bis 12 Monaten.
Smart Infrastructure: Der heimliche Star
Während Digital Industries schwächelt, läuft Smart Infrastructure auf Hochtouren. Das Segment — Gebäudetechnik, Stromnetze, Rechenzentrum-Infrastruktur — erzielte eine Ergebnismarge von 19,6 Prozent bei 8 Prozent Umsatzwachstum.
Das ist Rekordniveau. Und der Treiber ist strukturell: Mehr Rechenzentren für künstliche Intelligenz, Ausbau der Stromnetze für die Energiewende, Sanierung von Gebäuden. Diese Megatrends sind nicht konjunkturabhängig — sie laufen über Jahrzehnte.
Was mit der Dividende passiert
5,35 Euro je Aktie — das ist der Vorschlag des Vorstands für die Hauptversammlung 2026. Bei einem Kurs von etwa 218 Euro ergibt das eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent.
Ist die Dividende sicher? Ja. Der Free Cashflow von 10,8 Milliarden Euro deckt die Dividendenzahlung von rund 3 Milliarden Euro mehr als dreifach. Selbst wenn der Gewinn um 30 Prozent einbricht, ist die Dividende noch gedeckt.
Die Übernahmen Altair und Dotmatics
Siemens hat 2025 zwei Software-Unternehmen übernommen: Altair (Simulationssoftware) und Dotmatics (Wissenschaftssoftware). Beide sind Teil einer klaren Strategie: Siemens will nicht nur Maschinen bauen — Siemens will das Betriebssystem für die Fabrik der Zukunft werden.
Zusammen mit NX CAD, Teamcenter und SIMATIC entsteht ein Software-Ökosystem, das Kunden langfristig bindet. Software wächst mit mehr als 15 Prozent pro Jahr — und hat deutlich höhere Margen als Hardware.
Häufige Fragen
Ist Siemens jetzt kaufenswert?
Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,8 ist Siemens fair bewertet — weder Schnäppchen noch teuer. Wer auf die Erholung von Digital Industries setzt, kauft zu einem fairen Preis vor dem Turnaround.
Wann steigt die Dividende weiter?
Siemens hat die Dividende sieben Jahre in Folge erhöht. Solange der Free Cashflow stark bleibt, ist weiteres Wachstum realistisch. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnen Analysten mit einer weiteren leichten Erhöhung.
Was bedeutet die geplante Trennung von Healthineers?
Siemens will seinen 75-Prozent-Anteil an Siemens Healthineers reduzieren. Das bringt frisches Kapital und macht das Kerngeschäft einfacher zu bewerten. Der Zeitplan ist noch offen — aber alle Szenarien sind für Siemens-Aktionäre positiv.
Autor: Markus Berger, Fundamentalanalyse · Stand: November 2025 · Keine Anlageberatung
Markus Berger analysiert seit über 10 Jahren DAX- und MDAX-Unternehmen mit Fokus auf Bilanzqualität, Cashflow-Generierung und faire Bewertung. Sein Schwerpunkt: Was sagen die Zahlen wirklich — und was nicht.
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